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Starterset – Kleine Steine, großes Potenzial

Folge 4: Sets clever auswählen – Bauchgefühl trifft Bricklink

Hallo liebe Investoren,
ich hoffe, ihr konntet mich in den letzten Beiträgen schon ein bisschen besser kennenlernen. Eine echte Verbindung über Text aufzubauen, braucht natürlich etwas mehr Zeit als in einem Podcast – deshalb verzeiht mir, wenn ich in manchen Beiträgen noch etwas aushole oder Dinge eher oberflächlich anreiße. Das wird sich mit der Zeit ändern. Wir wollen immer tiefer in die Themen einsteigen – und ja, manchmal auch etwas nerdiger werden. 😉

Heute ist es soweit: Wir gehen ein ganzes Stück tiefer rein – und knüpfen an Wissen aus den beiden bisherigen Blogbeiträgen an. Besonders das Thema Part-Out-Value und unsere Kenntnisse über Teile und Farben spielen heute eine große Rolle.


🚫 Warum wir keine Gebrauchtware verkaufen

Bevor wir einsteigen: Wir verkaufen ausschließlich Neuware.
Ich habe vor etwa drei Jahren einmal ein großes Konvolut an gebrauchten Minifiguren aufgekauft – und beim Sortieren sehr schnell gemerkt: Das ist einfach nichts für mich. Vieles war falsch zusammengesteckt, beschädigt oder unvollständig. Ich hätte jede Figur einzeln kontrollieren und wieder in Ordnung bringen müssen – und das war mir schlicht zu viel Aufwand.

Daher unsere klare Entscheidung: Keine Gebrauchtware.
Selbst wenn wir Einzelteile oder Minifiguren ankaufen – dann nur neu.
Ich bin mir sicher, dass Gebrauchtware ebenfalls ein spannendes Geschäftsfeld mit deutlich höheren Margen sein kann – aber: Ich habe darin keine Expertise und kann daher auch keine Tipps oder Einschätzungen geben.


🔍 Was parten wir aus– und warum?

Heute wird’s konkret. Ich möchte mit euch teilen, welche Sets wir ausgepartet haben, worauf wir achten und wie sich unsere Strategie über die Jahre verändert hat.
Mit dem BrickLink-Part-Out-Log kann ich ganz transparent nachverfolgen, was wir wann wie oft ausgepartet haben – und genau das möchte ich heute mit euch teilen.


🌀 Rückblick 2020: Hauptsache billig – kein Plan, kein System

Unsere Anfänge im Jahr 2020 – ich kann heute nur den Kopf schütteln. Wir haben einfach gekauft, was gerade irgendwo im Angebot war. Mengen, Farben, Teile? Egal. Hauptsache günstig.

Was folgte: sehr viele kleine Mengen, kein Konzept, viel Chaos. Und das hatte Folgen.
Stellt euch vor: Wir haben damals tatsächlich eine einzige Tantive IV ausgepartet – ein UCS-Set mit fast 2.000 Teilen. Und ja: Nur eine!
Jedes Teil musste einzeln inventarisiert werden. Wir haben die Sets meist zuhause geöffnet, jedes Teil in ein kleines Plastiktütchen gepackt, es grob mit dem Setnamen beschriftet – und es dann ins Lager gebracht.

Damals haben wir unser Inventar noch mit Excel gepflegt. Keine automatisierten Systeme, keine ordentliche Lagerstruktur – nur unsere manuelle Zettelwirtschaft. Ich kann euch sagen: Das war das reinste Chaos. Und ein unglaublicher Zeitaufwand.

Viel schlimmer: Wir haben regelmäßig Sets online gestellt, bevor wir sie überhaupt vollständig inventarisiert oder einsortiert hatten.
Das hieß: Teile waren theoretisch verfügbar, praktisch lagen sie verteilt auf dem Boden.
Manchmal waren vier Sets gleichzeitig offen – die Tütchen wild durcheinander. Wir wussten oft nicht mehr, welches Teil aus welchem Set kam.
Wenn dann eine Bestellung reinkam, begann die große Sucherei.
Und wenn wir ein Teil einfach nicht finden konnten?
Dann bedeutete das: Ein Set nachkaufen, in welchem die Steine enthalten sind.
Und jetzt kommt der nächste Punkt: Uns fehlte oft das Kapital, um ein Set in größerer Stückzahl nachzukaufen. Also haben wir ein neues Set gekauft – wieder nur 3–4 Stück – und erneut ausgepartet. Das Chaos wuchs weiter.

Ihr erkennt vermutlich, wo ich hinwill:
Wir hatten keine klaren Prozesse, keine Routine, keine Infrastruktur – und zu wenig Lagerplatz.
Daraus haben wir gelernt.


📦 Zum Thema Lagerhaltung wird es in Zukunft noch mindestens einen, wahrscheinlich zwei eigene Beiträge geben – denn das ist ein riesiges Feld mit vielen Lernmomenten


📚 Unsere früheren Part-Out-Sets – ein Auszug

Ein Auszug aus unserer frühen Set-Historie Jahr 2020:

2021 & 2022: Kein Fortschritt – nur noch mehr Chaos
Leider haben wir unser Chaos einfach fortgesetzt. Wieder viele Sets in geringen Mengen – wenig Plan.

Ihr seht, wir hatten keine Erfahrung, keinen Plan, welche Teile gut laufen, auf was wir uns konzentrieren möchten – sondern haben nur nach Preisen und Rabatten gekauft. Welche Teile in den Sets drin waren, war uns vollkommen egal.
Hier haben wir viel Lehrgeld bezahlt, weil: Teile, die du nicht loswirst, bedeuten auch, deine Lagerkapazität muss wachsen – wodurch neue Regale, Sortierkästen oder Kisten gekauft werden mussten.


🚧 Was machen wir heute anders?

Heute arbeiten wir komplett anders – strukturierter, planvoller und effizienter.
Das hat aber auch mehr als drei Jahre gedauert.
Wir mussten unsere Erfahrungen machen. Und Fehler – auch wenn sie weh tun – helfen, Prozesse Stück für Stück zu verbessern.

Denn die größte Ressource, die uns heute fehlt, ist Zeit.
Mit Familie, Beruf und einem laufenden Shop ist jedes Zeitfenster eng getaktet.
Chaotische Prozesse? Keine Option mehr.

Wir arbeiten heute nur noch mit Sets, die wir gezielt auswählen – und in der Regel in Mengen von mindestens 8–10 Stück pro Set oder mehr.
Das spart Zeit, senkt die Sortierkomplexität und erhöht die Rentabilität.


Welche Sets haben wir kürzlich ausgepartet – und warum?


🛠️ Unsere Auswahlkriterien – was zählt?

Wenn wir heute neue Sets für das Part-Out einkaufen, achten wir auf ganz bestimmte Punkte – und das aus gutem Grund.

In der Regel bewegen wir uns bei der Einkaufsspanne zwischen 20 € und 80 € pro Set. Warum dieser Bereich? Diese Sets haben meist eine angenehme Teileanzahl, die gut zu verarbeiten ist – wir achten auf nicht zu viele verschiedene Lots, nicht zu viele unterschiedliche Farben, gute Teileanzahl pro Lot.
Ein 2×2 Stein in einem Set bringt dich nicht viel weiter – du willst mindestens 6 Stück von spannenden Teilen im Set haben.

Das ist wichtig, weil wir die Sets zuhause ausparten und erst danach im Lager inventarisieren. Das bedeutet: Jeder Stein wird mindestens zweimal angefasst – und das kostet Zeit.

Wer schon mal 100 kleine Tütchen mit schwarzen Steinen vor sich hatte, weiß, wie mühsam die Sortierung wird, wenn Farben und Formen sich stark ähneln. Deshalb brauchen wir Sets, die sich schnell und effizient einsortieren lassen – idealerweise mit guten Standardfarben wie Schwarz, Weiß, Tan oder Dark Bluish Gray.

Auch der Punkt Investitionshöhe spielt eine Rolle: Wenn wir 10 Sets zu je 50 € einkaufen, sind das 500 € – eine Summe, die sich für uns gut darstellen und kalkulieren lässt.
Ganz anders bei größeren Sets: 10 Sets zu je 150 € bedeuten 1.500 € Invest – das ist nicht nur finanziell anspruchsvoller, sondern bringt auch mehr Aufwand beim Sortieren und Online-Stellen mit sich.

Ein aktuelles Beispiel: Wir haben kürzlich nochmal die Mos Eisley Cantina (75290) ausgepartet. Allein die Masse an Tan-Teilen im Lager einzusortieren war ein enormer Aufwand.
Warum wir es trotzdem gemacht haben? Die Minifiguren.

Mit Minifiguren lässt sich oft ein schneller Reinvest erzielen:
Du kaufst das Set für 70 €, verkaufst die Minifiguren für 50 € – und hast die Steine effektiv für 20 € eingekauft.
Diese 50 € kannst du direkt in das nächste Set investieren. Und oft nimmt der Käufer der Minifiguren noch ein paar weitere Teile mit – ein zusätzlicher Vorteil.

Ein anderer Ansatz: Du partest ein Set vor dem EOL aus, dessen Minifiguren Potenzial zur schnellen Wertsteigerung haben – unser Ansatz bei der Cantina. Dann kann es sich lohnen, die Figuren zunächst zurückzuhalten oder gezielt später zu verkaufen.


Unsere Auswahlkriterien – kompakt

KriteriumWarum es wichtig ist
Setgröße (20–80 € EK)Gute Balance aus Aufwand, Teileanzahl & Investitionshöhe
Mindestmenge (8–10x)Spart Zeit beim Sortieren, macht das Set wirtschaftlich
TeilefarbenFokus auf nachgefragte Farben (Black, White, DBG, LBG, Tan, Reddish Brown)
SortierbarkeitKlare Struktur, keine „Such-Orgie“ beim Einsortieren
MinifigurenSchneller Reinvest durch Einzelverkauf, oft Mitnahmeeffekte im Warenkorb
POV-RateKein primäres Kriterium – aber ein sinnvoller Indikator zur Orientierung

🎯 Tipp der Woche

Passt die Menge zu deinem Budget?
→ 10 Sets à 50 € sind leichter zu stemmen als 5 Sets à 150 € – und meist effizienter im Handling.

Wie aufwendig ist das Set beim Sortieren?
→ Viele Farben, viele kleine Lots mit geringer Teileanzahl? Dann brauchst du Zeit – und Nerven.
→ Einfache Sets mit gängigen Farben lassen sich schneller verarbeiten.

Sorgen die Minifiguren für schnellen Rückfluss?
→ Je früher du Teile refinanzierst, desto flexibler bleibst du beim Reinvest.

Ich hatte in Folge 1 schon einmal gesagt: Liquidität ist King.
Auch beim Ausparten kannst du durch zeitnahen Verkauf der Minifiguren wieder schnell an flüssiges Kapital kommen.

🔍 Und ganz wichtig:
Schau dir jedes Set vorher auf BrickLink genau an!
Welche Teile sind enthalten? In welchen Mengen?
Sind es viele exklusive oder gefragte Steine – oder nur Einzelteile in geringer Stückzahl?
Je besser du das vor dem Kauf analysierst, desto gezielter kannst du deine Auswahl treffen – und vermeidest Fehlkäufe.

💡 Merke:
Lieber ein „langweiliges“ Set mit soliden Basics als ein cooles Sammlerset, das dich beim Part-Out auffrisst.
Denn am Ende entscheidet nicht nur der Rabatt – sondern wie viel Zeit und Kapital du binden musst und wie schnell du mit einem Kapitalrückfluss rechnen kannst.


🔜 Im nächsten Beitrag:

Teilekunde – Kenne Parts und Farben

Nach unserem heutigen Deep Dive gehen wir in der nächsten Folge nochmal einen Schritt zurück – und legen die Grundlagen. Perfekt für alle, die gerade erst einsteigen oder ihre Basics auffrischen wollen.

Wir zeigen dir:

Der nächste Beitrag erscheint am Sonntag, 17. August 2025 hier auf der Seite des Spielwareninvestors.


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Konntest du dir als neuer Shop-Eröffner ein paar Ansätze und Ideen mitnehmen aus Fehlern, die wir gemacht haben?

Schreib’s mir in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch!

Bis bald & baut was,
Tim


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