Folge 8: Lager-Start – Vom Schuhkarton zum Sortiersystem
Hallo liebe Investoren,
ich hoffe, euch hat der letzte Beitrag „Versand für Einsteiger – So bringst du Ordnung ins Chaos“ weitergeholfen und ihr konntet euch ein paar Anregungen für euren Shop-Alltag mitnehmen.
Der heutige Beitrag kommt mit einem Tag Verspätung, da private und berufliche Themen mir diesmal keine Zeit zum Schreiben gelassen haben – ich hoffe, ihr seht es mir nach 😉.
Heute geht es um eines der zentralsten Themen überhaupt: die Lagerhaltung.
Ein System zu finden, das funktioniert, wächst und gleichzeitig nicht im Chaos endet, ist eine größere Herausforderung, als man vielleicht denkt. Und ich sage es gleich vorweg: Auch nach fünf Jahren ist unser Lager noch weit weg von perfekt.
📦 Warum Lagerhaltung von Anfang an wichtig ist
Bevor ihr auch nur einen einzigen Stein inventarisiert, solltet ihr euch Gedanken machen:
- Wo lagere ich die Teile?
- Wie finde ich jeden Stein später wieder?
- Wie sieht mein Lager in 1 Jahr, in 5 Jahren aus?
Denn wenn ihr ohne Plan startet, zahlt ihr später einen hohen Preis. Habt ihr erst einmal 1.000 Lots angelegt und müsst dann euer Lagersystem ändern, heißt das: jedes einzelne Lot anfassen, neu sortieren und neu inventarisieren. Das kostet unglaublich viel Zeit und Nerven – und macht keinen Spaß.
1️⃣ Etappe 1 – Start im Wohnzimmer
Wie bei so vielen Themen sind wir auch hier ohne Plan gestartet.
Ein Regal im Wohnzimmer, 10–12 IKEA Samla-Kisten – jede mit einem Farbnamen beschriftet: „Black“, „Red“, „Blue“.
Das hieß: Bestellt jemand Teile in Black, musste ich in die „Black“-Kiste greifen und suchen. Problem: In einer Kiste landeten oft mehrere unterschiedliche Farben – und damit auch mal schnell Hundert verschiedene Teile.
Kein Excel. Kein System. Nur die Hoffnung: „Das wird schon irgendwie funktionieren.“
Und am Anfang ging es auch – weil wir noch klein waren und unser Geld lieber in Ware gesteckt haben. Doch das System brach schneller zusammen, als uns lieb war.
2️⃣ Etappe 2 – Erste Sortierkästen & Excel
Nach zwei Monaten war Schluss mit den Kisten. Wir investierten in zwei Schwerlastregale und klassische Sortierkästen aus dem Baumarkt und vom Discounter.
Endlich: Jedes Teil bekam ein eigenes Fach. Zur Orientierung entwickelten wir ein simples Codesystem:
- Kasten 1, Reihe 1, Fach 1 = 1-1-1
- Kasten 1, Reihe 2, Fach 4 = 1-2-4
Diese Daten trugen wir in eine Excel-Tabelle ein.
Am Anfang war es viel Arbeit – jedes Teil aus den Kisten musste einzeln in die Kästen einsortiert werden. Aber: Zum ersten Mal hatten wir Ordnung und ein Suchsystem.
3️⃣ Etappe 3 – Excel wird zum Problem
Mit der Zeit kamen neue Kästen dazu – die Excel-Tabelle wuchs und damit auch die Probleme:
- Keine Bestandsführung: Mengen haben wir nicht gepflegt, nur Nummer, Farbe und Lagerplatz.
- Keine Schnittstelle: Verkäufe mussten manuell in Excel gelöscht werden.
- Fehleranfällig: Vertipper, vergessene Einträge, falsche Farben.
Die Folgen:
- Teile waren verkauft aber noch in der Excel vorhanden.
- Andere Teile konnten wir gar nicht mehr finden.
- In Einzelfällen mussten wir sogar Ware nachkaufen, um Bestellungen ausführen zu können.
Das Lager wuchs schnell auf 4 Schwerlastregale mit über 30 Kästen – und unser Wohnzimmer verwandelte sich endgültig in eine chaotische „Lagerhalle“.
4️⃣ Etappe 4 – Raus aus der Wohnung
Wir brauchten dringend mehr Platz – und das Lager musste aus der Wohnung verschwinden.
Die Lösung: das ungenutzte Kinderzimmer meiner Frau. Rund 13 qm, allerdings 30 Minuten Fahrzeit entfernt.
Das war Fluch und Segen zugleich:
- ✅ Endlich wieder Platz in der Wohnung.
- ❌ Zusätzliche Fahrtkosten und Zeitaufwand.
Parallel dazu half uns ein kleines IT-Tool (gebaut von Ann-Katrins Bruder), das die Excel-Suche vereinfachte. Aber das Grundproblem blieb: Excel war zu langsam und fehleranfällig.
5️⃣ Etappe 5 – Excel muss weg
Die Wende fanden wir in Bricklink selbst: die Remarks-Funktion.
Hier lassen sich Lagerplätze direkt im System hinterlegen, die dann in Bestellungen automatisch angezeigt werden.
Die Umstellung war brutal:
- 200.000 Teile mussten wir neu anfassen, zählen und inventarisieren.
- Jedes Teil musste von Excel in Bricklink übertragen werden.
- Parallel liefen noch beide Systeme (Excel + Remarks), was extrem anstrengend war.
Viele Abende verbrachte ich damit, Kästen in Frischhaltefolie einzuwickeln, sie nach Hause zu holen, Teile neu zu erfassen – und das Ganze anschließend wieder ins Lager zu fahren. Netflix lief dabei im Hintergrund, aber es war ein echter Kraftakt.
6️⃣ Etappe 6 – Endlich läuft es rund
Nach und nach stellte sich heraus: Die Arbeit hat sich gelohnt.
Heute läuft alles über Remarks:
- Keine doppelte Pflege mehr.
- Keine manuelle Löscherei in Excel.
- Deutlich effizienteres Handling bei Bestellungen.
Die Lehre: Wer Bricklink nutzt, sollte Remarks von Anfang an einsetzen. Sie sparen enorm viel Zeit und verhindern unnötiges Chaos.
7️⃣ Etappe 7 – Status quo heute
Unser Lager ist funktional – aber alles andere als perfekt:
- 90 Sortierkästen, durchnummeriert von 1–90.
- Unterschiedlichste Behältnisse: IKEA Samla, Baumarkt-Kästen, Aldi-/Lidl-Varianten, Boxen für Minifigurenteile, extra Kisten für große Mengen.
- Einheitlichkeit? Fehlanzeige.
Alles muss beschriftet und inventarisiert sein.
Deshalb haben wir in unserem Bricklink-Inventar heute nicht nur Einträge wie „1-1-1“, sondern auch Kürzel wie:
AB, A1, Kiste, BK, Mini, AK, Sets
Für uns funktioniert das – für jemanden Externen wirkt es aber wie ein reines Abkürzungs-Chaos.
Heute stehen uns knapp 28 qm Lagerfläche zur Verfügung – ausgelastet bis zum letzten Zentimeter. Glücklicherweise ist das Lager inzwischen nur noch 10 km von uns entfernt.
💡 Tipp der Woche – Ordnung mit Remarks
- Stelle in Bricklink ein, dass Bestellungen nach Remarks sortiert werden – nicht nach Farben. So kannst du deine Lager-Runde in einem Durchgang machen.
- Überlege dir eine klare, skalierbare Struktur. Beispiel: Wir nummerieren von 1–90. Bricklink sortiert aber nach der ersten Zahl – also kommt Kasten 40 vor Kasten 5. Besser: Wände A, B, C mit Kästen 1–10.
- Denke frühzeitig an die Zukunft: Wie groß könnte dein Lager in 1, 3 oder 5 Jahren sein? Baue dein System so, dass du später nicht alles neu machen musst.
🔜 Im nächsten Beitrag
Nach dem heutigen Einblick ins Lager geht es in der nächsten Folge um ein völlig anderes, aber genauso wichtiges Thema: Ladenhüter – wenn sich Steine nicht bewegen.
Wir werden unsere Erfahrungen teilen, inklusive der Experimente, die wir gemacht haben – sogar einen Zweit-Shop haben wir zeitweise eröffnet, um verschiedene Ansätze auszuprobieren.
Dabei lernt man schnell: Dieses Thema kann unglaublich viel Zeit kosten – und man wird nicht mit jedem Stein Gewinn erzielen.
Keine Sorge: Die Lagerhaltung ist noch lange nicht abgeschlossen. Ein weiterer Teil zu diesem Thema wird in Zukunft folgen, in dem ich euch unsere aktuellen Herausforderungen und Optimierungen zeigen werde.
Erscheinungstermin: Sonntag, 12. Oktober 2025
📩 Dein Feedback ist gefragt
Jetzt interessiert mich eure Meinung und eure Erfahrungen:
- Wie organisiert ihr euer Lager? Habt ihr ein System, das ihr von Anfang an nutzt, oder ist euer Lager ebenfalls „organisch gewachsen“?
- Bricklink-Remarks oder andere Tools: Nutzt ihr die Remarks-Funktion, ein Warenwirtschaftssystem, Excel oder eine ganz andere Methode? Welche Vor- und Nachteile habt ihr erlebt?
- Umzug eines Lagers: Wir stehen vor der Herausforderung, unser gesamtes Lager in den nächsten 1,5 Jahren umzuziehen. Habt ihr Tipps, Tricks oder Erfahrungen, die den Prozess erleichtern könnten?
- Allgemeine Optimierungen: Gibt es kleine Ideen, die ihr in euren Lageralltag integriert habt und die Zeit, Platz oder Aufwand sparen?
Ich freue mich riesig über eure Kommentare, Erfahrungsberichte oder Fragen – dieser Blog lebt von eurem Input!
Bis bald & baut was,
Tim
Neugierig, wie unser Herzensprojekt heute aussieht?
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