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Die „Playmobil Steine“ der BASF: die C-Steine

Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (9)

…noch nie gesehene Farben, teilweise Buchstaben statt dem Lego Logo auf den Noppen – sind das Legosteine? Ja, es sind Teststeine, gefertigt von ausgewählten Chemiekonzernen für LEGO!
Die Frage nach dem „warum“ und „woher“ beschäftigt mich und mit mir viele Sammler dieser Teststeine bis heute. Vieles konnte durch Internetforen und Kontakte zu den betreffenden Kunststoffherstellern bzw. deren Angestellte und Verwandte beantwortet werden, vieles nicht. Die Geschichte der Materialfindung und Entwicklung des heutigen Legosteins ist nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis, das hier, nach vielen Jahren der weltweiten Detektivarbeit (ja: die Kunststofftestungen fanden tatsächlich weltweit statt), immer noch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Zum Nachlesen der verschiedenen Test Formen der Firma Bayer Leverkusen und der BASF: klickt auf das Icon „Die spannende Geschichte der Lego Steine“ an der rechten Seite.

In diesem 9. Teil geht es nun zum 3. mal um die Teststeine des Chemiekonzerns BASF („Badische Anilin- & Sodafabrik“) mit Sitz in Ludwigshafen am Rhein, der als deutscher Kunststoff Zulieferer für Lego ebenso wie die Firma Bayer in die Suche nach einem neuen Material involviert war.

Auch die BASF hatte verschiedene Gussformen zur Verfügung – in diesem Teil soll es um die „C-Steine“ gehen – sie stammen vermutlich aus den 70er / 80er Jahren.


Die Gussform


Die 4 Steine dieser Form tragen das neue Lego Logo auf allen acht Noppen – ob sie jedoch davor in regulärer Produktion verwendet wurden ist fraglich. In den Unterseiten der Steine findet sich das Pat. pend und von Hand gravierte Zeichen: C1, C2, C3 und C4, je nach Gussplatz. Der Gusspunkt befindet sich über der Mitte der kurzen Seite.
Die Form ist im Buch der BASF „Kunststoff-Verarbeitung im Gespräch, Teil 1 Spritzgießen“, 1. Auflage 1969 abgebildet, was den vermuteten zeitlichen Beginn der Testungen in dieser Form bestätigt:


Die Kunststoffe

Ähnlich der ersten Teststeine der Firma Bayer, wurde auch hier noch kein großer Wert auf die Anpassung an die Lego Farbenwelt gelegt – es ging um einen neuen Kunststoff für die Steine. Anders als die Teststeine der Firma Bayer Leverkusen, wurden diese tonnenweise vernichtet, man findet sie leider sehr viel seltener.

Die BASF war (und ist) DER Kunststoff Lieferant für Playmobil der geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG.

Die verschiedenen Kunststoffe und Farben damals in Produktion befindlicher Playmobil Produkte finden sich auch in den Lego Teststeinen der BASF wieder, was diese Steine einzigartig macht.

Zu nennen sind diese hier:

• Ultraform®, der Polyoxymethylen-(POM-)Kunststoff. Das Material sorgt für eine Balance von Elastizität und Festigkeit und ist schlagfest. Bei Playmobil für flexible Teile wie Hände und Gelenke verwendet.

• Terlux®, der hochtransparente MABS-Kunststoff kombiniert seine Transparenz mit hoher Robustheit und ist besonders beständig gegen Chemikalien.

• Polystyrol gehört zu den variabelsten Kunststoffen und ist bei Playmobil der Stoff, aus dem Landschaften, Boote und Kanonenkugeln gemacht werden. Eine Variante, die sich leicht im Spritzguss verarbeiten und gut einfärben lässt.

• Terluran® von BASF ist ein Styrolcopolymer aus den Bausteinen Acrylnitril, Butadien und Styrol (ABS) und sorgt für eine kratzfeste Oberfläche sowie unbegrenzte Möglichkeiten im Farbdesign. Bereits die ersten Playmobilmännchen von 1974 hatten einen Rumpf und Kleidung aus Terluran® von BASF.

Der wohl schönste Beweis hierfür sind diese BASF Steine. Lars hatte einmal in einem Youtube Short einen von ihnen vorgestellt, vielleicht erinnert ihr euch. Sie waren die ersten Elemente, die Playmobil Teilen zugeordnet werden konnten. Die Textur wurde dort für das Fell von Tieren, aber auch für Holz und Keramik verwendet:


Ein Vergleich mit BASF Farbmustertafeln aus dieser Zeit, führt zu dem Ergebnis, dass hier Glasfaserverstärkter Kunststoff verwendet wurde:

Die Farben:

Das Farbspektrum der Steine aus dieser Form ist wesentlich größer als das der Vorgängersteine. Wie schon erwähnt, finden sich recht wenige Entsprechungen zu den Lego Grundfarben.

Eher Ausnahmen bilden Rot, Gelb und Blau, die ich zeitgleich mit diesen Kämmen gefunden habe – was die Vermutung zulässt, dass die Herstellung der Steine u.a. auch Bestandteil der Kunststofftechnischen Ausbildung der BASF waren.

Eine besondere Erwähnung sind die blauen Steine wert: fast alle die ich fand – und das waren eine Menge – wiesen Verfärbungen auf und bestanden aus einem spröden Kunststoff, der schon beim Aufeinanderstecken der Steine splitterte. Das gleiche Problem bei ein paar wenigen anderen Farben:


Viele der roten Steine weisen rundherum einen merkwürdig weißen Belag auf, der sich nur sehr schwer entfernen lässt. Es könnte sich dabei um eine Auswirkung der Einfärbung, also Titandioxid handeln, dass sich nach Jahren an der Oberfläche zeigt.
Allerdings nur eine Vermutung, um deren Nachweis ich mich bei Gelegenheit einmal kümmern muss…


Nun aber zu anderen Farben und Steinen ohne Farbzusatz – von lichtundurchlässig, opaque, bis hin zu leicht transparent.

Natürlich finden sich auch aus dieser Form sowohl marmorierte Steine – also Steine, die beim Farbwechsel in der Form entstanden – als auch „Short Shots (Materialmangel in der Form).
Bedingt durch den Gusspunkt an der kurzen Seite, folgt die Art der Marmorierung und auch die der „Short Shots“ immer dem gleichen, einmaligen Muster. Hier ein paar Schönheiten:

Epilog

Wie immer gilt: die Angaben in diesem Artikel beruhen auf eigenen Recherchen vieler Jahre, unzähligen Gesprächen mit ehemaligen Angestellten und deren Verwandten der Firma BASF – und: nicht zu vergessen, dem Austausch mit anderen Sammlern dieser Steine ( ein herzlicher Dank geht an Wouter für seine Bilder!). Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Bei LEGO und der BASF selbst sind leider kaum Informationen über diese frühen Teststeine erhältlich.

Solltest du ergänzende Informationen, selber diese recht seltenen Steine oder auch spezielle Fragen haben: ich freue mich, nur zu!

2 Gedanken zu „Die „Playmobil Steine“ der BASF: die C-Steine

  • Wahnsinnig aufwändiger und nischiger Artikel. Fast schon eine wissenschaftliche Abhandlung. Das führt einem vor Augen, was hinter den Steinen, die wir heute so selbstverständlich in die Hand nehmen und damit bauen, an Entwicklung und Arbeit steckt. Das veranschaulicht auch sehr schön das Prinzip von Versuch und Irrtum oder eben Erfolg.
    Die Bilder sind sehr kunstvoll und echte Augenweiden. Da sieht man tatsächlich, dass da Leidenschaft drin steckt.
    Witzig finde ich, dass es ein Fachbuch von BASF gibt, das ein Detail des Herstellungsvorgangs von Lego-Steinen zeigt. Heute wahrscheinlich unvorstellbar.
    Vielen Dank!

    Antwort
  • fantasticbricks

    Vielen Dank für`s Feedback. Und ja: „Leidenschaft“ trifft es. Neugier, Wissensdurst und der Spaß am Suchen – wobei tatsächlich der Fund dieser einen Seite des BASF Buches eines der Highlights war. Ein (Lego) Interna, das in heutiger Zeit wirklich nicht mehr vorstellbar ist.

    Antwort

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