Die "V-Steine" der BASF - Der Spielwaren Investor - spielend reale Rendite
Brick HistoryLEGO® WissenNewsSpezielle SammelgebieteTellerrand

Die „V-Steine“ der BASF


Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (10)

…noch nie gesehene Farben, teilweise Buchstaben statt dem Lego Logo auf den Noppen – sind das Legosteine? Ja, es sind Teststeine, gefertigt von ausgewählten Chemiekonzernen für LEGO!

Die Frage nach dem „warum“ und „woher“ beschäftigt mich und mit mir viele Sammler dieser Teststeine bis heute. Vieles konnte durch Internetforen und Kontakte zu den betreffenden Kunststoffherstellern bzw. deren Angestellte und Verwandte beantwortet werden, vieles nicht. Die Geschichte der Materialfindung und Entwicklung des heutigen Legosteins ist nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis, das hier, nach vielen Jahren der weltweiten Detektivarbeit (ja: die Kunststofftestungen fanden tatsächlich weltweit statt), immer noch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.


Zum Nachlesen der verschiedenen Test Formen der Firma Bayer Leverkusen und der BASF: klickt auf das Icon „Die spannende Geschichte der Lego Steine“ an der rechten Seite.

In diesem 10. Teil geht es nun zum vierten und letzten Mal um die Teststeine des Chemiekonzerns BASF („Badische Anilin- & Sodafabrik“) mit Sitz in Ludwigshafen am Rhein, der als deutscher Kunststoff Zulieferer für Lego ebenso wie die Firma Bayer in die Suche nach einem neuen Material involviert war.

Auch die BASF hatte verschiedene Gussformen zur Verfügung – in diesem Teil soll es um die „V-Steine“ gehen – sie stammen vermutlich aus den 80er Jahren.

Anders als die Teststeine der Firma Bayer Leverkusen, wurden diese tonnenweise vernichtet, man findet sie leider sehr viel seltener.


Die Gussform


Die 16 Steine dieser Form tragen das neue Lego Logo auf allen acht Noppen – ob sie jedoch davor in regulärer Produktion verwendet wurde ist fraglich. In den Unterseiten der Steine findet sich das Pat. Pend, ein „V“ und eine Nummer zwischen 1 und 16, je nach Gussplatz – wobei der Stein am Gussplatz 12 eine 40 trägt. Der Gusspunkt befindet sich über der Mitte der kurzen Seite.


Das Besondere an dieser Form (und ihren Steinen) ist, dass sie ein „2. Leben“ hatte: sie wurde im Laufe ihres Lebens überarbeitet – warum auch immer. Die unteren Löcher der Noppen wurden geschlossen und der Stein des Gussplatzes 7 wurde durch einen gänzlich unbeschrifteten Stein ersetzt.


Die Kunststoffe

Ein bemerkenswertes Beispiel für meine diesbezügliche Ratlosigkeit sind diese „Short Shots“ (entstanden durch Materialmangel in der Form):

Beim Abkühlen eines Formteils schrumpft das Material. Die Außenseite kühlt und verfestigt sich zuerst, wodurch eine gewisse Materialbewegung im Inneren ermöglicht wird.
Auf den ersten Blick scheinen diese Steine doppelwandig zu sein. Bei näherer Betrachtung ist die Öffnung jedoch nur wenige Millimeter tief.
Bei anderen Short Shots habe ich das in dieser Form noch nie gesehen. Dies könnte bedeuten, dass dieses Material stärker schrumpft oder langsamer abkühlt als „normales“ CA und ABS.
Zusammengefasst ist es als Außenstehender, der nicht in die Testung involviert war, schier unmöglich zu sagen, aus welchem Kunststoff / Kunststoffmischungen diese Steine nun genau bestehen…

In Frage kommen die verschiedenen Kunststoffe und auch Farben damals in Produktion befindlicher Playmobil Produkte, deren Kunststoff Lieferant die BASF war und ist:

• Ultraform®, der Polyoxymethylen-(POM-)Kunststoff. Gelenke, Hände und viele weitere flexible Teile, auch im Innern der Figuren, sind aus dem schlagfest modifizierten Ultraform® N2640Z2 gefertigt. Das Material sorgt für eine Balance von Elastizität und Festigkeit, dass die beim Spielen besonders beanspruchten Gelenke weder brechen noch verschleißen.

• Terlux®, der hochtransparente MABS-Kunststoff kombiniert seine Transparenz mit hoher Robustheit und zeigt sich besonders beständig gegen Chemikalien.

• Polystyrol gehört zu den variabelsten Kunststoffen und ist bei Playmobil der Stoff, aus dem Landschaften, Boote und Kanonenkugeln gemacht werden. Eine Variante, die sich leicht im Spritzguss verarbeiten und gut einfärben lässt.

• Terluran® von BASF ist ein Styrolcopolymer aus den Bausteinen Acrylnitril, Butadien und Styrol (ABS) und sorgt für eine kratzfeste Oberfläche sowie unbegrenzte Möglichkeiten im Farbdesign. Bereits die ersten Playmobilmännchen von 1974 hatten einen Rumpf und Kleidung aus Terluran® von BASF.

Grundsätzlich ist Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) ein amorpher thermoplastischer Kunststoff. Er liegt in Rohform als opaker Feststoff vor und besteht, wie der ausgeschriebene Name bereits erkennen lässt, aus drei Komponenten. Die Mengenverhältnisse sind bei der Polymerisation eingesetzten Monomere Acrylnitril, Butadien und Styrol innerhalb gewisser Grenzen sehr variabel.



Die Farben:


Von lichtundurchlässig bis opak – ein immenses Spektrum von Farbe und Transparenz.


Wie schon erwähnt, finden sich wenig bis gar keine Entsprechungen zu den Lego Farben – wohl aber zu Farben von Playmobil Teilen, Haushaltsartikeln und anderen BASF Produkten. Hier eine kleine Auswahl:

Zu den ganz besonderen Steinen zählen diese Schönheiten mit silbernen Glitterpartikeln. Den Erzählungen eines ehemaligen Mitarbeiters zufolge, wurden hier Späne aus Aluminium beigemischt. Steine mit Kupferspänen soll es ebenfalls gegeben haben – diese habe ich allerdings noch nie finden können:


Natürlich finden sich auch aus dieser Form marmorierte Steine – also Steine, die beim Farbwechsel in der Form entstanden.
Bedingt durch den Gusspunkt an der kurzen Seite, folgt die Art der Marmorierung immer dem gleichen, einmaligen Muster. Hier ein paar Beauties:

Epilog

Wie immer gilt: die Angaben in diesem Artikel beruhen auf eigenen Recherchen vieler Jahre, unzähligen Gesprächen mit ehemaligen Angestellten und deren Verwandten der Firma BASF – und: nicht zu vergessen, dem Austausch mit anderen Sammlern dieser Steine ( ein herzlicher Dank geht an Wouter für seine „Gussform“ Bilder!). Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Bei LEGO und der BASF selbst sind leider kaum Informationen über diese frühen Teststeine erhältlich.

Solltest du ergänzende Informationen, selber diese recht seltenen Steine oder auch spezielle Fragen haben: ich freue mich, nur zu!

Ein Gedanke zu „Die „V-Steine“ der BASF

  • Hagen

    Was für wunderschöne, naturnahe Farben… Egal ob transparent, opak, von hell zu dunkel fein abgestuft, auch im Marmor… Man möchte umgehend kreativ werden…

    Antwort

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Entdecke mehr von Der Spielwaren Investor - spielend reale Rendite

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen