Starterset – Kleine Steine, großes Potenzial
Folge 2: Part-Out-Value – Fluch oder Chance?
Hallo liebe Investoren,
nachdem die erste Folge von „Starterset – Kleine Steine, großes Potenzial“ so großartig bei euch angekommen ist, legen wir direkt nach – und veröffentlichen schon heute die erste richtige Folge der Reihe!
Vielen, vielen Dank für eure zahlreichen Kommentare und Themenvorschläge – wir freuen uns riesig über euer Interesse und werden in den kommenden Beiträgen auf viele eurer Ideen und Fragen eingehen.
Heute starten wir direkt rein mit einem Thema, das viele am Anfang unterschätzen, aber fast jedem begegnet:
Part-Out-Value – Fluch oder Chance?
Wenn du einen Bricklink-Shop eröffnen oder mit Einzelteilen handeln möchtest, wirst du sehr schnell über den Begriff Part-Out-Value (kurz: POV) stolpern.
Klingt erstmal nach einem cleveren Weg, aus Sets mehr rauszuholen – aber gerade am Anfang ist der POV ein ziemlich trügerischer Ratgeber.
🧩 Was ist der Part-Out-Value überhaupt?
Ganz simpel gesagt: Der Part-Out-Value beschreibt den Gesamtwert aller Einzelteile eines Sets, wenn du diese einzeln verkaufst, statt das Set als Ganzes.
Ein Beispiel:
Du kaufst ein Set für 100 €, das 1.000 Teile enthält.
Wenn du alle Teile einzeln verkaufst, könnte der Gesamtwert laut Bricklink bei z. B. 150 € liegen – das wäre dann der POV.
Klingt nach schnellem Gewinn? Theoretisch ja.
Aber die Frage ist:
Wie realistisch ist es, dass du alle 1.000 Teile innerhalb von 3 Monaten verkauft bekommst?
Meine Einschätzung: unter 1 %.
Und hier liegt der Knackpunkt – denn genau das wird dir am Anfang nicht gesagt.
🕵️♂️ Warum der POV trügt (gerade am Anfang)
Wenn du z. B. bei Brickmerge nach den Sets mit dem höchsten Part-Out-Value suchst, erscheinen erstmal die üblichen Verdächtigen: Titanic, Eiffelturm, Millennium Falcon.
Spannende Werte – aber für Einsteiger mit begrenztem Budget schlicht nicht machbar.
Daher schauen viele auf die POV-Rate, also das Verhältnis zwischen Einkaufspreis und POV:
Ein Set kostet z. B. 100 €, hat aber einen POV von 200 € – das ergibt eine Rate von 2,0.
Je höher die Rate, desto attraktiver scheint das Set.
🧱 Das Set mit der höchsten POV-Rate (Juni 2025)
Set 11040 – Zauberbox mit durchsichtigen Steinen
- Erscheinung: 03/2025
- UVP: 19,99€
- Bestpreis: 12,99 €
- POV: 74,84 €
- Rate: ca. 5,8
- Teile: 340
- Lots (unterschiedliche Steine): 82
- Minifiguren: keine
Klingt nach einem Jackpot?
Das dachten wir uns, als wir mit Bricklink starteten auch.
🧨 Und dann?
Wir dachten: Super, 13 € investieren, 75 € rausbekommen – ein paar Sets davon und wir sind auf dem Weg zur Steine-Million.
Tja, wäre schön gewesen…
Schauen wir uns das Set genauer an:
Ein Großteil der Steine ist in Farben wie Bright Light Yellow, Light Aqua, diverse Trans-Elemente und White.
Das Problem:
Diese Farben haben teilweise extrem geringe Nachfrage.
POV hin oder her – was bringen dir 73 € rechnerischer Wert, wenn dir 80 % der Teile ein Jahr lang das Lager verstopfen?
🧊 Der POV kann lügen – ein Beispiel
Nehmen wir den Stein 3001 (2×4 Brick) in Trans-Light Blue – der kam neu in diesem Set.
Laut Bricklink-Daten (Juni 2025):
- Insgesamt verkauft: 1.248 Stück
- Preisspanne: 0,02 € – 5,83 € (!)
- Durchschnittspreis: 1,40 € (ohne Mengenbewertung)
Im Set sind 4 Stück enthalten.
POV rechnet also: 4 × 1,40 € = 5,60 €
Tatsächlicher Marktpreis (bei deutschen Shops): 4 × 0,19 € = 0,76 €
Klingt weniger sexy, oder?
Und das ist noch freundlich gerechnet – denn du musst auch erstmal Käufer finden, die zu diesem Preis zuschlagen.
📉 Fazit: Lass dich nicht blenden
Der POV ist kein realistischer Verkaufswert – er zeigt nur, was rein rechnerisch möglich wäre, wenn du alles einzeln zu einem guten Marktpreis verkaufen würdest.
Gerade bei neuen Sets, bei denen es viele seltene Farben oder neue Teile gibt, kann der POV künstlich aufgeblasen sein.
Schau dir also immer an:
- Welche Steine sind enthalten?
- In welchen Farben?
- Gibt es dafür wirklich Nachfrage?
💡 Zur Erinnerung: Liquidität ist King
Ich greife nochmal meinen Tipp aus Folge 1 auf:
„Wenn du mit Bricklink startest, investiere lieber in wenige Teile mit hoher Nachfrage als in viele Teile mit schöner Farbe.“
Gerade zu Beginn bist du darauf angewiesen, dass dein Geld schnell wieder zurückkommt.
Farben wie Light Aqua oder Dark Pink sehen toll aus – aber sie liegen dir ewig im Lager.
Stattdessen solltest du dich auf gängige Farben konzentrieren:
Black, Dark Bluish Grey, Light Bluish Grey, Tan
Klar – da hast du mehr Konkurrenz.
Aber: Diese Farben drehen sich. Und genau das brauchst du, um aufzubauen.
🎯 Tipp der Woche
👉 Wenn du dir ein Set mit guter POV-Rate anschaust, analysiere nicht nur den Wert, sondern die tatsächlichen Verkaufschancen der enthaltenen Steine.
Schau dir dazu auf Bricklink z. B. an:
- Wie viele Verkäufe gab es in den letzten 6 Monaten?
- Welche Shops haben die Steine gerade gelistet – und zu welchem Preis?
Der POV ist ein Werkzeug – aber kein Versprechen.
Verlass dich auf Nachfrage, nicht auf Theorie.
🔜 Vorschau: Folge 3 – Steine Basics – Diese Steine musst du kennen
Nach dem Blick auf Zahlen und Strategien richten wir den Fokus in der nächsten Folge auf die Grundlagen eines jeden erfolgreichen Bricklink-Shops: die richtigen Steine.
Am 20. Juli erscheint Folge 3 – mit diesen Themen:
- Welche Steine sich langfristig gut verkaufen
- Welche Teile im Alltag regelmäßig gefragt sind
- Wie man frühzeitig erkennt, ob ein Teil Potenzial hat – oder nicht
„Diese Steine musst du kennen“ bietet Orientierung für alle, die sich bei Bricklink & Co. sicherer fühlen wollen.
📩 Dein Feedback ist gefragt:
Wie hat dir der erste richtige Beitrag gefallen?
Und welche Erfahrungen hast du mit dem Part-Out-Value gemacht? Schreib es gern in die Kommentare.
Ich bin gespannt auf deine Meinung!
Bis bald & baut was,
Tim
Neugierig, wie unser Herzensprojekt heute aussieht?
Hier geht’s zu unserem Bricklink-Store 🤍

Plötzlich machte es POV! Und weg war sie, die Liquidität… 😉
‚bin gespannt, wie’s weitergeht…
Vielen Dank für dein Kommentar!! 🙂
Hallo Tim, vielen Dank für die weitere Folge.
Ja, der POV wird schnell mal plakativ genutzt, um den vermeintlichen „inneren“ Wert von Sets nennen zu können und daraus dann die Attraktivität von Sets entweder für den Handel (nach EOL) oder für den Part-Out abzuleiten.
Das kann auf den ersten Blick mal eine Marke sein, bei der es sich dann lohnt, genauer hinzuschauen. Dann beginnt aber das Graben, wie Du es beschrieben hast. Sehr interessant finde ich auch immer, in welchen Mengen pro Kauf der Stein verkauft wurde – also geht der Stein gleich immer in Menge pro Verkauf weg oder sind es viele Verkäufe mit geringen Mengen oder oder…
Wie geht ihr mit den absoluten Ladenhütern um? Könntet ihr dann als Kiloware, wenn eine gewisse Menge erreicht ist, abstoßen?
Beste Grüße
Hallo Icke,
vielen Dank für deinen Input – freut mich sehr, dass du so aufmerksam mitliest!
Du sprichst einen super wichtigen Punkt an: Der POV allein sagt oft noch nicht viel aus, solange man nicht tiefer gräbt – gerade die tatsächliche Nachfrage gibt da oft ein viel klareres Bild. Genau das macht die Analyse manchmal so spannend (und manchmal auch etwas mühsam 😉).
Deine Frage zu den „Ladenhütern“ nehmen wir auf jeden Fall mit – ein super Thema! Wir planen dazu einen eigenen Blogbeitrag, in dem wir auch auf mögliche Wege wie Kiloware oder kreative Resteverwertung eingehen.
Danke dir nochmal – solche Anregungen sind Gold wert!
Beste Grüße Tim
Hallo Tim,
ein super spannender Beitrag. Ich finde genau sowas hat im Angebot des Spielwareninvestors aktuell noch gefehlt. Ist auch eine Podcastreihe geplant? Gerade für Einsteiger in das Thema wäre das ein echter Mehrwert.
Würde mich freuen, wenn da regelmäßig was kommt.
Gruß Bernd
Hallo Bernd,
vielen Dank für deinen Kommentar!
Es freut mich sehr zu hören, dass wir mit dem Format deiner Meinung nach eine Lücke schließen.
Zum Thema Podcast kann ich dir versprechen: Nach der Sommerpause werde ich einmal bei den Brickside Storys zu Gast sein.
Jetzt am Anfang schauen wir erst einmal, wie die Beiträge ankommen – und halten uns für die Zukunft alle Optionen offen.
Viele Grüße Tim
Hallo Tim,
Schön und sehr interessant zu hören, wie Ihr an das Thema POV ran geht!
Bei dem Thema fängt aber auch sicher schon eine Spezialisierung ( komisches Wort 🤔) in eine bestimmte Richtung an.
Wenn man versucht nur Steine zu haben, die sich gut verkaufen begrenzt man sich sicher auch auf eine gewisse Käuferschicht. Ist es nicht besser breit gefächert eine große Vielfalt zu haben – natürlich nur wenn ausreichend Lagerfläche vorhanden ist?! Leichen können früher oder später vielleicht auch Schätze sein!?
Ich als Käufer (komplettiere sehr viele Sets) versuche natürlich immer dort zu kaufen wo ich breit gefächert alles bekomme. Vielleicht denke ich da ja falsch, aber ich denke natürlich (noch) nicht als Unternehmer.
Bleibe weiter gespannter Leser Eures Beitrages!
Gruß Marko
Hallo Marko,
du sprichst da einen wichtigen Punkt an – und ich kann dir da nur voll und ganz zustimmen!
Langfristig ist eine große Vielfalt an unterschiedlichen Lots tatsächlich enorm wertvoll. Gerade für Käufer wie dich, die viele verschiedene Teile suchen, macht das natürlich einen echten Unterschied. Und auch aus Verkäufersicht wird es irgendwann entscheidend, breit aufgestellt zu sein, um mehr Bestellungen bündeln zu können.
Im Blogbeitrag habe ich ganz bewusst die Perspektive eingenommen: Was hätte ich selbst gerne vor fünf Jahren gewusst, als wir mit dem Shop gestartet sind?
Unser erstes Lager war tatsächlich mitten im Wohnzimmer – und durch die Teilevielfalt, die wir viel zu schnell aufgebaut haben, herrschte dort schnell das reinste Chaos. 😅
Deshalb ist der Gedanke eher: mit einer gezielten, spannenden Auswahl zu starten – also Teilen, die sich tendenziell schnell drehen – und nicht gleich zu versuchen, alles abzudecken. Die „Lagerleichen“ kommen sowieso mit der Zeit, ob man will oder nicht 😉 – und manchmal werden sie später tatsächlich noch zu Schätzen.
Freut mich sehr, dass du weiterhin mitliest – solche Gedanken helfen wirklich, die Perspektive zu erweitern und neue Themen für den Blog zu finden!
Beste Grüße Tim