Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks - Der Spielwaren Investor - spielend reale Rendite

Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks

Ich (Lars) bin seit Jahren Sammler „besonderer“ Stücke der LEGO Geschichte. Dazu zählen natürlich auch außergewöhnliche Versionen des 2×4 Bricks. Mit diesem ikonischen Stein verbindet mich übrigens, neben dem grundsätzlichen Interesse, auch der gemeinsame „Geburtstag“ am 28 Januar.

Prolog

Ich schrieb vor einigen Monaten mal einen Artikel über Bayer Testbricks. Daraufhin erhielt ich einige Zuschriften von interessierten LEGO Fans, die sich bedankten oder auch noch mehr über die Geschichte der dänischen Klemmbausteine erfahren wollten. Die bemerkenswerteste Zuschrift erhielt ich von Beryll aka Fantastic Brick. Ihr Kommentar lautete in etwa so: „Ja, ganz nett. Kann man so stehenlassen, kratzt aber gerade einmal an der Oberfläche…“ Daraufhin waren natürlich sowohl mein Ehrgeiz als auch meine Neugier maximal geweckt. Ich bin sehr stolz darauf, dass Beryll, die weltweit ganz sicher zu den absoluten Experten auf diesem Gebiet zählt, sich bereiterklärt hat, die Geschichte des LEGO Steins, wie wir ihn heute kennen, noch etwas genauer zu beleuchten. Die nachfolgenden Zeilen stammen von Ihr:

Teststeine (Teil 1)

Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre kam eine Zeit, in der das Material, aus denen Legosteine hergestellt wurden (CA = Celluloseacetat) zu einem ernsthaften Problem im Hinblick auf den Anspruch bezüglich der Langlebigkeit des Produkts wurde. Das Material wies Schwächen in der Farbechtheit und der Stabilität auf, d.h.die Steine verzogen sich mit der Zeit und ihre Farben verblichen.

Zeit, um sich auf die Suche nach einem neuen Kunststoff zu machen – er sollte widerstandsfähig, form- und farbecht sein. In diesem Material-Findungs-Prozess wandte sich Lego in den frühen 60er Jahren an den europäischen Chemiegiganten Bayer in Leverkusen (auch an die BASF in Ludwigshafen, Marbon / Borg-Warner in den Niederlanden / Amsterdam, Schottland / Grangemouth und USA / West Virginia , DSM in den Niederlanden / Geleen – aber dies sind andere Geschichten), um die Marke in eine neue Kunststoff-Ära zu führen. 

Bayer Leverkusen macht das Rennen

Die ersten Teststeine der Firma Bayer, die „Old Logos“ Bayer bekam zu ersten Versuchszwecken eine ausgediente Gussform mit 20 Plätzen von Lego zur Verfügung gestellt, die in der Vergangenheit für die reguläre Produktion verwendet wurde.

Die Noppen der 2×4 Steine tragen noch das alte Lego Logo, die Formnummer (1 bis 20) befindet sich auf der kurzen Seite gegenüber der Seite mit dem Einspritzpunkt, „Pat. pend.“ über und unter der Mittelröhre.
Fast alle Steine des Gussplatzes Nr.1 haben ein Loch in der unteren rechten Noppe.

Um 1960 war die Firma Bayer DER Lieferant für „Cellidor“, einem thermoplastischen Kunststoff auf Basis von Cellulose-Acetat,das in verschiedenen Zusammensetzungen für unterschiedliche Produkte verwendet wurde. Verschiedene Cellidor-Gemische wurden für alle Anwendungen / damaligen Produkte getestet – so auch für die allerersten Lego Teststeine. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Steine aus zahlreichen unterschiedlichen Kunststoffmischungen zu finden sind. Nicht zuletzt, wenn auch selten, aus „Novodur“, dem damaligen neuen Bayer ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), für den man sich letztendlich entschied.

Paralell wurden Testplatten gefertigt – nicht nur als Farbmuster, sondern insbesondere für Biege- und Haltbarkeitstests: : lange UV-Licht Aussetzung, Eintauchen in Chemikalien, usw.

Leider ist bisher wenig über ein explizites Materialprüfverfahren der ersten Teststeine bekannt. Dies sind die einzigen Steine, die einen Hinweis geben.

Die Markierungen 1000 / 2000 / 4T / 8T beziehen sich wahrscheinlich auf T(onnen)bzw. kg Druck, der auf die Steine ausgeübt wurde. Wie wir wissen, sind einige Tonnen Kraft erforderlich, um einen modernen Legostein zu verformen. Die Buchstaben L, LM, M MH stehen für niedrige, mittlere bis hohe Beständigkeit gegen Verformung und sind aus Kunststofftests in Bezug auf den Faktor „Festigkeit“ bekannt. 

Kunststoff der vorhanden war, Farbe (vorerst) egal
Die Pfeile weisen höchstwahrscheinlich auf den Bereich des Steins hin, in den sich der Kunststoff verformte.

Von daher ist anzunehmen, das diese Teststeine, wie sicherlich viele andere auch, einen Test auf Formbeständigkeit durchlaufen haben. Da es in erster Linie um die Findung eines neuen Kunststoffes für die Steine ging, spielten die Farben eine vorerst untergeordnete Rolle und so wurden farbige Kunststoffmischungen bereits in Produktion befindlicher Produkte wie z.B. Zahnbürsten, Schuhabsätze, Schuhspanner, Werkzeuggriffe oder Kugelschreiber in die Lego Form gegossen. Von den Farben her findet man viele Entsprechungen zu den damaligen Artikeln, was diese ersten Bayersteine zu ganz besonderen in diesem Punkt macht und die für Lego absolut ungewöhnlichen Farben erklärt. Hier eine kleine Auswahl:

Ein besonderes Highlight für den Sammler stellen marmorierte Steine dar, die durch den Einlauf einer neuen Farbe in die Gussform entstanden:

Aber auch „Fehlersteine“ bieten einen schönen Einblick in die möglichen Probleme des Spritzgussverfahrens:

„Silberfäden“ – Feuchtigkeit im Material, gefangenes Gas in „Rippen“-Bereichen aufgrund einer zu hohen Einspritzgeschwindigkeit in diesen Bereichen, Material zu heiß
„Goldener Oberflächen-Belag“ unbekannter Herkunft. Eventuell ein Indiz für das Austreten von Chemikalien aufgrund der Zersetzung des Kunststoffes?
Epilog:

Ich hoffe, ich konnte mit diesem ersten kleinen Beitrag Interesse an diesem Stück im Dunkeln liegender Lego-Geschichte wecken und bin offen für alle Fragen. Die Angaben in diesem Artikel beruhen auf eigenen Recherchen vieler Jahre, unzähligen Gesprächen mit ehemaligen Angestellten und deren Verwandten der Firma Bayer – und: nicht zu vergessen, dem Austausch mit anderen Sammlern dieser Steine. Bei LEGO und Bayer selbst sind leider kaum Informationen über diese frühen Teststeine erhältlich. Solltest du ergänzende Informationen haben, würde ich mich sehr über einen Kontakt freuen.

4 thoughts on “Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks

  • 13. August 2020 um 21:45
    Permalink

    Moin Lars,

    Da hat sich jemand Mühe gegeben 😉 Sehr guter Interessanter Artikel. Also das war wirklich sehr interessant zu lesen!👍 Mit dem Thema hab ich mich zuvor nie beschäftigt, aber sehr interessant, gerne mehr dazu. Aber ist der Stein in Käse Farbe dann auch aus Käse? Und warum gibt es einen Cola Stein? Der ist ja wohl nicht aus Cola oder? Wo kauft man eigentlich solche Steine, wie teuer sind die?

    Beste Grüße,
    Felix von Flix – Bricks

  • 13. August 2020 um 22:24
    Permalink

    Danke für den interessanten Artikel. Wieder etwas Neues erfahren über mein Lieblingshobby.

  • 14. August 2020 um 0:05
    Permalink

    Haha- nein, der Stein ist nicht aus Käse oder Cola. Da es für diese damals verwendeten Kunststofffarben keine genaue Farbbezeichnung gab, hat Beryll, die im übrigen ein wahnsinnig tolles Gespür für Farben und Inszenierungen hat, hier einfach mal Gegenstände oder passende Dinge aus dem Alltag in ähnlicher Farbe dazu drapiert. Ein Augenschmaus, nicht wirklich zum verspeisen 😉

  • 14. August 2020 um 8:15
    Permalink

    Ach so, schade. Aber es wäre auch ziemlich Wiederlich, wenn die Steine aus Käse wären und jetzt verfault in den Händen von Sammlern legen würden.😫🤣😂

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