Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (5) - Der Spielwaren Investor - spielend reale Rendite

Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (5)

…noch nie gesehene Farben, teilweise Buchstaben statt dem Lego Logo auf den Noppen – sind das Legosteine? Ja, es sind Teststeine, gefertigt von ausgewählten Chemiekonzernen für LEGO!
Die Frage nach dem „warum“ und „woher“ beschäftigt mich und mit mir viele Sammler dieser Teststeine bis heute. Vieles konnte durch Internetforen und Kontakte zu den betreffenden Kunststoffherstellern bzw. deren Angestellte und Verwandte beantwortet werden, vieles nicht. Die Geschichte der Materialfindung und Entwicklung des heutigen Legosteins ist nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis, das hier, nach vielen Jahren der weltweiten Detektivarbeit (ja: die Kunststofftestungen fanden tatsächlich weltweit statt), immer noch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Auch in diesem 5. Teil geht es um Teststeine der Firma Bayer in Leverkusen.
Bislang war die zeitliche Abfolge der verschiedenen Versuchsformen und deren Aufgaben relativ klar – nachzulesen hier:
Erster Teil: die Bayer „old logo“ Steine
Zweiter Teil: die Bayer „ABCD“ Steine
Dritter Teil: die Bayer „8xC“ Steine
Vierter Teil: die Bayer „7xC“ Steine

Teil 5:
Die Bayer 8xf Steine

Eine zeitliche Einordnung dieser Teststeine ist schwierig, vermutlich liefen Testungen in dieser Gussform parallel zu den anderen Versuchen. Die Steine tragen eine kleines „f“ in Kursivschrift auf allen acht Noppen (daher der Name „8xf“), der Gusspunkt liegt genau in der Mitte der Längsseiten und in den Unterseiten findet sich keine weitere Markierung. Die Gussform bestand aus zwei Plätzen / Steinen – Materialprüfkörper wie z.B. bei den „C-Steinen“ waren ihr nicht anhängig. Der Name „Pärchensteine“ verrät bereits, das die beiden Steine dieser Form nicht identisch sind. Der Unterschied findet sich im „f“ auf der oberen linken Noppe: einer der Steine hat dort ein kleines Fähnchen am „f“, der andere nicht.


„Fähnchen-Stein“ + „Ohne-Fähnchen-Stein“ = (Form) Pärchen.


Wirft man einen Blick auf den Aufbau der Röhren in der Unterseite, stellt man fest, das sich hier ein neues Design findet, welches im Vergleich zu dem vorheriger Versuchssteine ein Novum darstellt: die Röhren sind innen Facetten-förmig. Zudem besitzen die Steine abgerundete Noppen, während alle anderen Bayer Steine ​​scharfe, eckige Noppen aufweisen.

Von daher lässt sich vermuten, das mit diesem neuen Design versucht wurde, eine bessere Klemmkraft zu erreichen.
Demzufolge findet man auch an den Längsseiten der Steine Riefen, die der Klemmkrafttestung geschuldet sind, die wir bereits von den Vorgänger Steinen kennen.
Die häufig zu findenden „Kratzspuren“ auf den Steinen sind Ergebnis eines Tests zur Bewertung der Kratzfestigkeit / Abriebs des Kunststoffmaterials. Die Seite mit dem Gusspunkt ist die Stelle, an der das Material am ehesten versprödet (Scherschädigung), deshalb findet man diese Kratzspuren immer auf der Gusspunktseite.
Hier für Interessierte ein kurzes Video:
https://www.youtube.com/watch?v=Br04ONGLYjw

Ein 2. Leben?

„8xf“ wird zu „8xF“? Möglich ist, das diese Form ein „2. Leben“ hatte – heisst, sie könnte überarbeitet worden sein. Die folgenden Teststeine stammen möglicherweise ebenfalls aus ihr: der eine trägt ein grosses „F“ auf allen acht Noppen, der andere lediglich auf sieben und auf der unteren rechten Noppe ein „E“. Die Unterseiten sind fast identisch mit denen der 8xf Steine. Leider habe ich bislang nur ein paar wenige dieser Steine finden können. Es ist allerdings ebenso denkbar, das es sich hier um eine gänzlich neue Form handelt – dafür aber mit Steinen in teilweise wundervollen Farben. Aber das nebenbei.

Die Farben

Man findet die „8xf“ Steine weniger häufig, als die bislang besprochenen Bayer Steine – zudem auch in begrenzter Farbpalette: angefangen bei Farbtönen aus der Fabuland Reihe, über Belville / Scala bis hin zu „neueren“ Farben wie Dunkeltürkis, Magenta und Neugrau. Auch Neonfarben, vergleichbar mit den Armbandteilen der Lego Uhren, finden sich aus dieser Form. Zwischentöne und Farben, die sich nicht in der offiziellen Lego Produktpalette fanden / finden sind sehr selten.

Marmorierte Steine:

Der Gusspunkt der 8xf Steine befindet sich mittig an der Längsseite, was zur Folge hat, das die Marmorierung nicht nur immer dem gleichen Muster folgt, sondern in ihrer Art auch einzigartig ist:

Besonders schön sind in diesem Bereich natürlich milchig marmorierte Steine. Ausgangspunkt sind immer milchig weisse Steine aus ungefärbtem Kunststoff, in die gerade eine Farbe einläuft – in diesem Beispiel „Auberginen Rot“.

„Fehler-Steine“

Auch hier bieten „Fehlersteine“ wieder einen schönen Einblick in die möglichen Probleme des Spritzgussverfahrens:
Hunderte von Steinen, bei denen immer das gleiche Stück der Mittelröhre fehlt – verursacht durch ein abgerissenes Kunststoffsegment des Vorgängersteins , das hartnäckig im Werkzeug verblieb.

Bei diesen merkwürdigen Steinen handelt es sich vermutlich um Teile, die nicht ausgeworfen wurden, bevor das Werkzeug nochmal zugefahren ist. Da die Noppen einen leichten Hinterschnitt haben (um eine bessere Klemmkraft zu erreichen), werden solche Konturen bei einem erneuten Schliesszyklus gestaucht/ gequetscht (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meinen persönlichen Spritzguss-Experten Sascha für diese und viele andere, geduldige Erklärungen!).

Epilog

Wie immer gilt: die Angaben in diesem Artikel beruhen auf eigenen Recherchen vieler Jahre, unzähligen Gesprächen mit ehemaligen Angestellten und deren Verwandten der Firma Bayer – und: nicht zu vergessen, dem Austausch mit anderen Sammlern dieser Steine. Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Bei LEGO und Bayer selbst sind leider kaum Informationen über diese frühen Teststeine erhältlich.
Solltest du ergänzende Informationen, selber solche Steine oder auch spezielle Fragen haben: ich freue mich, nur zu!

One thought on “Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (5)

  • 5. August 2022 um 22:16
    Permalink

    Danke für den interessanten Artikel 👍

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