Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (4) - Der Spielwaren Investor - spielend reale Rendite

Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (4)

…noch nie gesehene Farben, teilweise Buchstaben statt dem Lego Logo auf den Noppen – sind das Legosteine? Ja, es sind Teststeine, gefertigt von ausgewählten Chemiekonzernen für LEGO!
Die Frage nach dem „warum“ und „woher“ beschäftigt mich und mit mir viele Sammler dieser Teststeine bis heute. Vieles konnte durch Internetforen und Kontakte zu den betreffenden Kunststoffherstellern bzw. deren Angestellte und Verwandte beantwortet werden, vieles nicht. Die Geschichte der Materialfindung und Entwicklung des heutigen Legosteins ist nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis, das hier, nach vielen Jahren der weltweiten Detektivarbeit ( ja: die Kunststofftestungen fanden tatsächlich weltweit statt!), immer noch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Im ersten Teil hatte ich euch die ersten Teststeine der Firma Bayer Leverkusen vorgestellt. Sie wurden Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre vorwiegend aus Cellidor Mischungen gespritzt. Die Kunststoff-Wahl fiel jedoch letztendlich auf „Novodur“, dem damalig neuen Bayer ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) und der deutsche Chemie-Riese Bayer aus Leverkusen avancierte zum qualitativen Haupt-Entwickler des heute im LEGO-Stein verwendeten Kunststoffs.
Nachdem nun ABS als Material feststand, bestand die nächste Herausforderung darin, die optimale Klemmkraft der Steine herauszuarbeiten. In dieser Entwicklungsphase stellte Bayer vier verschiedene Steinvarianten aus dem ABS-Kunststoff her. Die Teststeine wurden mit den Buchstaben A, B ,C und D auf der oberen rechten Noppe versehen, darum ging es im zweiten Teil.
Die 8xC Steine waren Thema des dritten Teils. Die Klemmkraft stand nun fest, der C-Stein der ABCD Steine wurde durch Lego als Standart definiert. Nun ging es um die Findung der optimalen Farbmischung.

Teil 4:

Die Bayer 7xC Steine

…eine der Fragen des letzten Artikels über die 8xC Steine lautete: was unterscheidet denn nun die 7xC Steine von den 8xC Steinen?
Eine gute Frage und ich kann sie ohne Vermutungen anstellen zu wollen, nur so beantworten: genau ein „C“.
Wie auch die 8xC Steine tragen diese Teststeine mit dem „C“ auf 7 Noppen (daher der Name „7xC“) nicht das Pat. pend in der Unterseite, sondern lediglich die Zahlen „05“ – man findet sie jedoch auch ohne diese Markierung. Vier verschiedene Varianten sind bekannt, die sich alle leicht unterscheiden – offensichtlich wurde auch hier die Form einige Male erneuert.

Die Gussform

Der Gussform der 7xC Steine war vom Prinzip her die gleiche wie die der 8xC Steine: neben dem 2×4 Stein mit den sieben „C“s auf den Noppen waren Materialprüfkörper für Biege-, Festigkeit- und Haltbarkeitstests anhängig: unter anderem eine Platte, ein Stab und ein quadratischer Hohlkörper. Diese kann ich euch hier zeigen:

Den vierten Prüfkörper zur Brucheigenschaft (einen quadratischer Stab) habe ich bislang noch in keiner Bayer Sammlung finden können. Ihr könnt ihn aber auf diesem Bild hier sehen, es ist aus einem Youtube Video über Testverfahren der in Entwicklung befindlichen Lego PET Steine. Offensichtlich werden Lego Steine auch heute noch den selben Materialtestungen unterzogen.

©https://www.youtube.com/watch?v=EtYGP9bM1sM

Gleiches gilt für den Klemmkraft Test: auf dem Bild links der Prüfstand von 1990 / Bild Mitte: der Prüfstand 2022 (ebenfalls aus dem Video über die Entwicklung der PET Steine) und ganz rechts: Bayer 7xC Teststeine mit den entsprechenden Riefen an den Längsseiten, die dieser Test an ihnen hinterlassen hat.

Hier für Interessierte der link zum vollständigen „Pet Video“:
https://www.youtube.com/watch?v=EtYGP9bM1sM

Die Farben

Der Bayer ABS Kunststoff „Novodur“ wurde in rund 1000 Farbvariationen produziert. Die Herstellung für die LEGO-Gruppe war aufgrund der speziellen Eigenschaften und der engen Farbtoleranzen recht kompliziert. Anders als bei den 8xC Steinen finden sich nun aber sehr viel mehr farbgenaue Lego Entsprechungen – man war bei Bayer wieder einen Schritt weiter. Insbesondere Modulex, Scala und Fabuland Farbtöne lassen auf einen Produktionszeitraum von um, ab und bei 1970 schließen.
Es finden sich aber auch Farben der Lego Palette, die erst sehr viel später oder auch gar nicht in Produktion gingen, wie zum Beispiel „Earth Yellow“ (Lego color ID 108), eine Farbe, von der Teile in den Sammlungen ehemaliger Fabrik Mitarbeiter gefunden wurden (wobei es mich nicht wundert, das diese Farbe aufgrund bestimmter Entprechungen verworfen wurde…).

Hier ein paar mehr Beispiele seltener 7xC Farben:

Marmorierte Steine:

Der Gusspunkt der 7xC Steine befindet sich, wie auch bei den 8xC Steinen, mittig verschoben an der Längsseite. Das hat zur Folge, das die Marmorierung immer dem gleichen Muster folgt:

Epilog

Wie immer gilt: die Angaben in diesem Artikel beruhen auf eigenen Recherchen vieler Jahre, unzähligen Gesprächen mit ehemaligen Angestellten und deren Verwandten der Firma Bayer – und: nicht zu vergessen, dem Austausch mit anderen Sammlern dieser Steine. Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Bei LEGO und Bayer selbst sind leider kaum Informationen über diese frühen Teststeine erhältlich.
Solltest du ergänzende Informationen, selber solche Steine oder auch spezielle Fragen haben: ich freue mich, nur zu!

8 thoughts on “Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (4)

  • 18. April 2022 um 12:45
    Permalink

    Wow this is great!! I love hearing about these

  • 18. April 2022 um 12:48
    Permalink

    Such a wonderfull world of unusual bricks! Thank you for this article!! I will read it again now!:)

  • 18. April 2022 um 13:00
    Permalink

    Thanks Michel, you`re welcome…

  • 18. April 2022 um 14:08
    Permalink

    Fehlerteufel: „Detektivarbeit ( ja: die Kunststofftestungen“ (Leerzeichen nach der Klammer).
    Hoffe den marmorierten Stein zu gewinnen

  • 18. April 2022 um 14:23
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    : )
    auch nicht schlecht – aber kein Rechtschreibfehler in dem Sinne – fällt in den Bereich der Zeichensetzung…
    Zur Erklärung: wer als erster den Rechtschreibfehler findet, bekommt einen marmorierten Stein.

  • 19. April 2022 um 18:44
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    „Entprechungen“, unter „Die Farben“ 😉
    Bin ich der erste?

  • 19. April 2022 um 18:56
    Permalink

    Das biste – Glückwunsch!

  • 5. Mai 2022 um 14:46
    Permalink

    @Flexis: der Erste – so viel Zeit muss sein 😉

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