Die Bayer „Specials“

Die spannende Geschichte der LEGO Testbricks (6)

…noch nie gesehene Farben, teilweise Buchstaben statt dem Lego Logo auf den Noppen – sind das Legosteine? Ja, es sind Teststeine, gefertigt von ausgewählten Chemiekonzernen für LEGO!
Die Frage nach dem „warum“ und „woher“ beschäftigt mich und mit mir viele Sammler dieser Teststeine bis heute. Vieles konnte durch Internetforen und Kontakte zu den betreffenden Kunststoffherstellern bzw. deren Angestellte und Verwandte beantwortet werden, vieles nicht. Die Geschichte der Materialfindung und Entwicklung des heutigen Legosteins ist nach wie vor ein gut gehütetes Geheimnis, das hier, nach vielen Jahren der weltweiten Detektivarbeit (ja: die Kunststofftestungen fanden tatsächlich weltweit statt), immer noch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

In diesem 6. Teil geht es ein letztes Mal um Teststeine der Firma Bayer Leverkusen – und zwar um die seltenen Steine der drei verbliebenen Gussformen, bevor ich im nächsten Teil meiner Serie zu den verschiedenen Teststeinen der BASF in Ludwigshafen komme.
Bislang war die zeitliche Abfolge der verschiedenen Versuchsformen und deren Aufgaben relativ klar – nachzulesen hier:

Erster Teil: die Bayer „old logo“ Steine
Zweiter Teil: die Bayer „ABCD“ Steine
Dritter Teil: die Bayer „8xC“ Steine
Vierter Teil: die Bayer „7xC“ Steine
Fünfter Teil: die Bayer „8xf“ Steine


Sehr sehr selten einmal findet man jedoch auch Steine aus drei anderen Bayer Versuchsformen. Sowohl ihre zeitliche Einordnung als auch der Sinn und Zweck in Bezug auf die Materialtestungen ist bis heute unklar. Auch wenn ich nicht wirklich viel dazu sagen kann, stelle ich sie der Vollständigkeit halber hier in diesem Beitrag vor:

1. Die Bayer „K-Steine“

Die Steine tragen das neue Lego Logo auf allen acht Noppen und der Gusspunkt liegt oberhalb der Mitte der kurzen Seiten. Die Unterseiten besitzen keinen Quersteg und weisen das „Pat. pend“ über und unter der Mittelröhre, sowie ein „K“ mit einer Nummer zwischen 1 und 20 auf. Die Gussform bestand folglich aus zwanzig Plätzen. Ich habe die Steine u.a. in gängigen Lego Standartfarben wie gelb, schwarz und grün gefunden – man kann jedoch an ihrem Klang hören, das sie aus unterschiedlichen Materialmischungen bestehen.
Die Form ähnelt stark einer der regulären Lego Produktions Formen, so dass eine Unterscheidung selbst für „Insider“ nicht immer einfach ist – wären da nicht die vielen, ungewöhnlichen Farben, wie z.B. diese Steine im „Metallic Look“ in silber, rot und grün:

Unvergleichbar sind auch diese Schönheiten – nicht wirklich transparent, sondern in ihrer Transparenz eher vergleichbar mit Gummibärchen oder Götterspeise. Vielleicht trifft „neblig“ oder „milchig“ es ganz gut:

Und, wie immer, finden sich auch aus dieser Form marmorierte Steine:

2. Die Bayer „343-350 Steine“

Die Steine tragen ebenfalls das neue Lego Logo auf allen Noppen und der Gusspunkt befindet sich an der kurzen Seite. Die Unterseiten besitzen keinen Quersteg und im Boden der Röhren finden sich Nummern zwischen 343 und 350 – eine Gussform mit 8 Plätzen.

Pic by Wouter

Interessant ist hierbei, das in dieser Form vorher reguläre Produktionssteine hergestellt wurden – allerdings nur in Transparent (durchsichtig). Die Gussform mit den Folgenummern zwischen 351 und 358 in den Röhren diente den Dänen selber als Testform – das nebenbei und dazu später einmal mehr.
Ich habe Steine aus dieser Bayer Testform lediglich zweimal finden können. Von daher kann ich zu dem Farbspektrum wenig sagen. Es fanden sich dabei neben anderen Non-Lego Farben jedoch vorwiegend verschiedene Rottöne, was allerdings auch Zufall sein könnte…

3. Die Bayer „7xG-Steine“

Diese Steine tragen ein „G“ auf 7 Noppen und eine Zahl zwischen 1 und 6 auf der oberen linken Noppe. Es sind die einzigen Bayer Teststeine, deren Unterseiten „modern“ – also mit Querstreben und Rippen – sind, ansonsten aber ohne Kennzeichnung.
Auch zu diesen Steinen kann ich wenig erzählen. Ich habe sie genau zweimal finden können, wobei fast alle Steine leicht marmoriert waren und einige silberne Partikel im Material aufwiesen.
Ein weiteres Mal wurden sie in Italien gefunden, hergestellt in der dortigen Bayer Produktionsstätte in Filago – in Lego Standartfarben.

Epilog

Wie immer gilt: die Angaben in diesem Artikel beruhen auf eigenen Recherchen vieler Jahre, unzähligen Gesprächen mit ehemaligen Angestellten und deren Verwandten der Firma Bayer – und: nicht zu vergessen, dem Austausch mit anderen Sammlern dieser Steine. Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Bei LEGO und Bayer selbst sind leider kaum Informationen über diese frühen Teststeine erhältlich.
Solltest du ergänzende Informationen, selber gerade diese recht seltenen Steine oder auch spezielle Fragen haben: ich freue mich, nur zu!

3 thoughts on “Die Bayer „Specials“

  • 15. November 2022 um 20:19
    Permalink

    Unglaublich, was für ein Wissen Du Dir über diese speziellen Steine angeeignet hast und vielen Dank dafür, dass Du dieses Wissen hier mit uns teilst!!
    Tatsächlich sitze ich gerade selbst vor einem ganzen Haufen solcher Teststein ( die ich im Übrigen nur dank Deiner wunderbaren Berichte überhaupt einigermaßen einordnen kann). Und ich bin mir sicher, es wird noch viele Fragen dazu geben. Gerade eben lese ich ja von den K Bricks…und daraufhin habe ich mir die Steine mit den neuen Logos, aber ohne Quersteg, nochmal genauer angesehen.
    Und da gibt es z.B einen weißen Stein mit der Nummer 16 und einem Z….auch V oder G ist mir schon untergekommen.
    Haben die Buchstaben eine bestimmte Bedeutung? Und dann sind mir noch Steine in die Hände gekommen, die zwar das neue Logo und auch den Quersteg haben, Dir sich aber anders angefühlt haben ( bisschen leichter vielleicht) und die dann, gegen eine Lichtquelle gehalten, sehr viel “ lichtdurchlässiger“ sind als die anderen „normalen“ Steine…?
    Lieben Gruß!
    Eva

  • 16. November 2022 um 19:25
    Permalink

    Vielen Dank für deinen netten Kommentar Eva.
    Die Buchstaben deiner Steine mit neuem Logo bezeichnen die Gussform aus der die Steine sind, die Zahl gibt den jeweiligen Platz in der Form an. Es sind keine Teststeine, aber man kann sie zeitlich einordnen. Wenn dich das interessiert, so findest du uns 2×4 Sammler bei Flickr mit vielen Informationen dazu…
    Einige moderne Steine erscheinen tatsächlich ​​lichtdurchlässiger, was häufig als Zeichen geringerer Qualität wahrgenommen wird. Die Farben sehen unter Umgebungslichtbedingungen identisch aus und es gibt keinen funktionalen Unterschied. Es bedeutet nur, dass bei der Herstellung der Steine eine etwas andere Farbmischung verwendet wurde und das Material nicht völlig identisch ist – aber es bedeutet nicht, dass eines besser als das andere ist.

  • 16. November 2022 um 19:46
    Permalink

    Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Dann werde ich mal bei Flickr vorbeischauen und bin gespannt.

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